Geschichte einer Stadt zwischen Burg, Markt und Militär
Stadt Thun
Bedeutung des Namens
Der Name Thun geht auf das keltische Wort dūnon (latinisiert dūnum) zurück. Es bedeutet «Palisadenwerk», «Burg» oder «befestigter Ort». Sprachlich ist es verwandt mit dem deutschen Zaun und dem englischen town. Der Name verweist somit bereits auf die strategische Bedeutung des Ortes.
Früheste Siedlungen und römische Zeit
Archäologische Funde zeigen, dass im Gebiet der heutigen Marktgasse bereits um 2500 v. Chr. Menschen siedelten. Aus der Bronzezeit (1800–800 v. Chr.) stammen reiche Funde aus Strättligen und Allmendingen. Am Nordufer des Thunersees existierte zudem eine Pfahlbauersiedlung.
Mit der römischen Eroberung 58 v. Chr. wurde das Gebiet Teil des Römischen Reiches. Ab 297 n. Chr. gehörte es zur Provinz Maxima Sequanorum. Bei Allmendingen bestand ein gallo-römischer Tempelbezirk mit mehreren kleinen Tempeln und einem Wirtschaftsareal. Die Existenz eines römischen vicus namens Dunum wird vermutet, ist jedoch archäologisch nicht gesichert.
Nach der Ansiedlung der Burgunder im Jahr 443 n. Chr. verlor Rom die Kontrolle über die Region. Die Aare wurde zur Grenze zwischen den christlichen Burgundern und den heidnischen Alamannen.
Zähringer, Kyburger und der Weg zu Bern
Im Frühmittelalter befanden sich auf dem Schlossberg eine Kirche und eine Burg. Thun wird im 7. Jahrhundert in der Fredegar-Chronik erwähnt. 1033 wurde die Stadt ins Heilige Römische Reich eingegliedert.
Im 12. Jahrhundert errichteten die Zähringer den zentralen Teil des heutigen Schlosses und erweiterten die Stadt bis zum Rathausplatz. Nach ihrem Aussterben 1218 übernahmen die Grafen von Kyburg die Herrschaft. 1264 erhielt Thun das Stadtrecht.
Machtkämpfe im Hause Kyburg führten 1322 zum Brudermord im Schloss. 1323 wurde Thun an Bern verkauft und später endgültig abgetreten (1384). Als Auszeichnung für ihre Teilnahme an der Schlacht bei Murten 1476 durften die Thuner einen goldenen Stern in ihr Wappen aufnehmen.
Marktstadt und Reformation
Im 16. Jahrhundert entwickelte sich Thun zu einem regionalen Marktzentrum. Es entstanden das neue Rathaus mit Kaufhaus und der Rindermarkt. Um 1528 wurde die Reformation eingeführt.
Wichtige Bauwerke folgten:
- 1585 der Archivturm
- 1699 das Kornhaus
1714 wurde die Kander in den Thunersee umgeleitet. Während der Helvetik (1798–1802) war Thun Hauptstadt des Kantons Oberland.
Tourismus und Militär prägen die Stadt
Im 19. Jahrhundert begann eine neue Epoche: 1819 wurde die Eidgenössische Militärschule eröffnet. Mit der Dampfschifffahrt (ab 1835) und dem Eisenbahnanschluss 1859 entwickelte sich Thun zum Tourismusort. 1875 eröffnete das «Grand Hôtel Thunerhof».
Die Militärschule wurde zum grössten Waffenplatz der Schweiz. Ab 1861/63 siedelten sich eidgenössische Militärbetriebe an. 1895 eröffnete Gustav Selve eine Fabrik für Munitionsnäpfchen. Um 1900 waren Waffenplatz und Munitionsfabrik die wichtigsten Arbeitgeber.
Wachstum und Modernisierung im 20. Jahrhundert
Im 20. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung stark. Goldiwil (1913) und Strättligen (1920) wurden eingemeindet. 1919 wurde die Gemeindeversammlung durch den Stadtrat ersetzt, 1969 folgte das Frauenstimmrecht auf Gemeindeebene.
Wichtige Infrastrukturprojekte waren:
- Neuer Bahnhof (1923)
- Schifffahrtskanal (1925)
- Autobahnanschluss A6 (1971)
- Anschluss an die ARA Thunersee
1981 begannen grössere Stadterweiterungen. 1991 erschütterten der Zusammenbruch der Spar- & Leihkasse Thun und die Schliessung der Selve-Werke die Stadt.
Thun im 21. Jahrhundert
Auch im neuen Jahrhundert entwickelte sich Thun weiter. Es entstanden:
- die Neuüberbauung Aarefeld
- das Kultur- und Kongresszentrum Thun (KKThun)
- das Fussballstadion Arena Thun
- die Umgestaltung des Selve-Areals
Weitere Projekte wie der Entwicklungsschwerpunkt Thun-Nord oder neue Wirtschaftsflächen sind geplant.



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